
Valborg
Werbeck-Svärdström wurde weit im nördlichen
Scheweden geboren und hatte ihre Kindheit da in intimster
Berührung mit der Natur verbracht. Der Gesang war seit
ihrer frühesten Kindheit ein bestandteil ihrer
Lebensnatur. Sie streifte unermüdlich singend in den
Wiesen und Wälder umher. Schon früch wurde ihre
ausserordentliche gesangliche Begabung entdeckt. Das
Solosingen mit dem Schulchor war ein
Selbstverständlichkeit. Schon mit zehn Jhren hat sie
unter anderem bereits in Kirchenkonzerten gesungen.
"Mir war das Singen einfach mein
Lebenselement", sagte Svärdström später. Sie
konnte mühelos hoch singen, bis zum dreigestrichene Gis
und A. Koloraturen waren ihr wie angeborenes.
Mit fünfzehn Jahren
Valborg Svärdström als Gesangsschülerin zur
königlich-musikalischen Akademie in Stockholm. Die
Gesangsschulung hat ihrer natürlichen Art zu singen nich
nur gut getan. Ihre Stimme war nicht besonders kräfrig.
Das Streben nach stimmlichem Volumen hat allmälich in
Schwierigkeiten geführt.
Sie hat gleichzeitig
selbstständige Konzertreisen gemacht und in der
Opernschule der Musikalische Akademie studiert. In ihrem
einundzwanzigsten Lebensjahr debutierte sie als
"Mignon", "Susanne" (Le nozze di
Figaro) ja "Lackmé". Danach wurde sie als
Mitgliede der Hofoper aufgenommen.
Die Opernaufgaben
stellten grosse Anforderungen an die Sitmme der jungen
Sängerin. Unter anderem hat sie in einer Saison acht
grosse Hauptrollen gesungen. Eine wohltuende
Unterbrechung in diese diese anstrengende Arbeit brachte
ein grösseres, von der Akademie verliehenes
Reisestipendium zum weiteren Studium in Paris, Italien
und Deutschland z.B. unter der Leitun Desirée Artots.
Diese vielen
anspruchsvollen Aufgaben und Gesangsschulung hatten
verhärtend auf das Gesangs-Instrument Svärdströms
gewirkt. Ein Tenor Der Opern in München, Heinrich Knote,
warnte Svärdström in einem Gespräch, nach einer Probe,
über mögliche voraussichtliche Stimmschwierichkeiten.
Am ende einer Saison,
mit fünfundzwanzig Jahren, als Svärdström noch als
Mitglieder der Hofopern gesungen hatte, bekam sie eine
Art Lähmung der Stimmbänder. Die Stimme versagte
plötzlich vollkommen. Es war für sie klar, dass sie in
der bisherigen Art des Gesangsstudiums keine Hilfe finden
könnte gegen das entstandene Problemen, dieses war eher
die Ursache dessen. "Nun wusste ich deutlich genug
,
dass ich nur aus eigener Kraft mich retten könnte."
Heinrich Kote hatte gefragt: "Warum singen Sie nicht
durch die Nase?" "Nun begann ich, da ich die
Töne nicht mehr singen konnte, im Sprechen den Klang
durch die Nase zu leiten
Ich sprach nasal und
versuchte den Sprachklang festzuhalten, auszudehnen, bis
er zu einem halb gesungenen Ton wurde. Auf diesen
konzentrierte ich alle Kraft des Lauschens. Da tauchte in
unerhört lebendiger Art die Erinnerung an meine
Kinderstimme aus diesem Lauschen hervor! Das damals
vorhandene silbrige Klingen in den Tönen trat fast wie
ein selbständiges Wesen mir entgegen und liess mich nach
dem Laut suchen, in dem dieses Klingen sich am besten
ausdrücken liesse
So fand ich die Silbe -
NG!"
So schildert
Svärdström die ersten Schritte, die zu der Geburt
"Der Schule der Stimmenthüllung" führten.
"Im Verlaufe von
nur einigen Wochen hatte ich meine Stimme wiederbekommen,
und da dieser Zusammenbruch am Anfang der Sommerferien
eingetreten wae, konnte ich mit Saison-Beginn meine
öffentliche Tätigkeit wieder aufnehmen. Nun aber wurde
mir das Singen fast zur Qual. Es war ein ständiges
Kompromisseschliessen zwissen der neuen und alten Art zu
singen. Letztere suchte selbstverständlich stark zu
behaubten, während die neue Art so zart, so ganz anders
war, dass ich mich empfand wie zwissen zwei feindlichen
Welten stehend."
Valborg Svärdström
heiratete den Hamburger Louis Werbeck un zog nach
Deutschland, sie hatte die Hofoper verlassen und
konzentrierte auf Konzert- und Gastspieltätigkeit. Sie
trat in fast allen Ländern Europas auf. "Ich konnte
diese Aaufgaben nur dadurch bewältigen, dass ich in den
Zwissenzeiten, besinders in den Ferien, nach der neuen
Schule übte. So wurden die Schäden durch das neue
Singen immer wieder ausgebessert und
hintangehalten."
Durch ihren Ehemann
hat Valborg Werbeck-Svärdström den Österreicher Rudolf
Steiner und die von ihm begründeten Anthroposophie
kennen gelernt. Die Zusammenarbeit mit Rudolf Steinerin
wurde bedeutend in der Entwicklung des neuen Singen und
Werbeck-Svärdström fing an zu ahnen, dass dieses 'neue
Singen' auch eine weitere grundsätzliche Bedeutung haben
könnte.
Allmählich
entwickelte sich aus diesem Anfang eine Gesagsschule, die
sich auch entfaltet hat in die pädagogische und
therapeutische Richtung. Das Lebenswerk von
Werbeck-Svärdström teilt sich eigentlich auf drei etwa
dreissig Jahre lange Perioden, von denen der ehrste mehr
dem aufführenden künstlerische Singen und der
Entwicklung der Grundlage dieser Schule gewidmet war, der
zweite sich besonders auf die Gesangspädagogik
konzentrierte und die tritte vor allem mit der Arbeit an
den therapeutischen und heilenden Möglichkeiten des
Singens befasste.
Valborg
Werbeck-Svärdström hat 1931 das letzte Mahl
öffentlich, i9m Alter von 52 Jahren, in Verbindung mit
einem Konzert ihrer Gesangsschule, gesungen. Die
pädagogische Arbeit mit dem Singen konnte bis 1935 in
Deutschland weitergeführt werden, bis der Aufkommende
Nazionalsozialismus die Tätigkeit unterbrach.
Werbeck-Svärdström ging nach Holland, wo sie u.A. in
einer Waldorfschule in den Haag unterrichtete. Dann zog
sie weiter nach Riesengebirge, nach Sleesien und danach
weiter nach Pilgramshein in Breslau umgezogen. Von dort
musste sie unter Krisgsunmständen nach Eckwälden
flüchten, wo sie mit Gesangstheraphie arbeitete. Sie hat
kaum mehr Gesangsschüler unterrichtet, sonden sah die
gesanglich-therapeuthischen Fragen fast als ihre
endgültige Aufgabe an. Sie arbeitete etwa drei Monate im
Jahr in der Schweitz und den Rest des Jahres in
Eckwälden, zusammen mit einigen Ärtzten. In dieser Zeit
konnte sie zahlreiche Menschen helfen.
1951 hat sie mit 72
Jahren noch eine weite Reise nach Holland und England
gemacht und überall Kursen gegeben. Mit 80 Jahren ist
sie nicht mehr gereist und arbeitete in ihre Haus in
Eckwälden und erforrste immer tiefer die therapeurishen
möglichkeiten des Gesangs. In ihren letzten Lebensjahren
gab sie die zentralen Inhalte ihrer Gesangsschule an
einige jüngere Sänger und Musiker weiter. Den Auftrag
die Gesangsschule weiterzutragen gab sie an Jürgen
Schriefer.
Valborg
Werbeck-Svärdström starb 1. 1. 1972 in Eckwälden
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